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Erste Hilfe Tipps

Erste Hilfe bei der Jagd – vorbereitet sein, wenn es darauf ankommt

Ein Pflaster für den kleinen Schnitt gehört genauso zur Jagd wie eine Ausrüstung für den wirklichen Notfall.

Wir bewegen uns bei der Jagd häufig abseits von Straßen und Ortschaften. Bei Ansitz, Drückjagd, Nachsuche oder Arbeiten im Revier kann professionelle Hilfe entsprechend lange brauchen. Gleichzeitig gehören Messer, Waffen, unwegsames Gelände, schwere Äste, Leitern oder auch wehrhaftes Wild zum jagdlichen Alltag.

Deshalb sollte jeder Jäger eine kleine, sinnvoll zusammengestellte Erste Hilfe Ausrüstung dabeihaben und vor allem wissen, wie man damit umgeht.

Die Erste Hilfe Ausrüstung gehört an den Jäger

Der beste Verbandkasten hilft wenig, wenn er im Auto liegt und der Unfall einen Kilometer entfernt im Wald passiert.

Eine kleine Bauchtasche oder eine kompakte Erste Hilfe Tasche am Gürtel oder im Jagdrucksack ist deshalb eine gute Lösung. Wichtig ist, dass die wichtigsten Dinge schnell erreichbar sind. Gerade Material zur Versorgung einer starken Blutung sollte nicht ganz unten unter Brotzeit, Fernglas und Regenjacke liegen.

Für die normale Jagd muss daraus kein großer Sanitätsrucksack werden. Wenige sinnvoll ausgewählte Dinge decken bereits sehr viel ab.

Was sollte dabei sein?

Einmalhandschuhe

Sie gehören zu jeder Wundversorgung. Mehrere Paar Nitrilhandschuhe benötigen kaum Platz und schützen Helfer und Verletzten. Auch die DGUV* und das Deutsche Rote Kreuz empfehlen bei blutenden Wunden grundsätzlich Einmalhandschuhe.

Pflaster und kleine Wundauflagen

Nicht jeder Jagdunfall ist dramatisch. Schnittverletzungen, aufgerissene Finger oder kleinere Schürfwunden kommen wesentlich häufiger vor. Einige Pflaster in unterschiedlichen Größen, sterile Kompressen und eine kleine Rolle Fixierpflaster gehören deshalb unbedingt in die Tasche.

Verbandpäckchen

Das klassische Verbandpäckchen ist klein, steril verpackt und universell einsetzbar. Auch ein normaler Druckverband lässt sich damit anlegen. Bei stärkeren Blutungen gehören direkter Druck auf die Wunde und ein Druckverband weiterhin zu den wichtigsten Maßnahmen.

Israeli Bandage / Emergency Bandage

Eine sehr sinnvolle Ergänzung ist eine sogenannte Israeli Bandage beziehungsweise Emergency Bandage. Dabei handelt es sich um einen kompakten Notfallverband, mit dem sich schnell ein kräftiger Druck auf eine Wunde aufbauen und halten lässt.

Gerade im Revier ist das praktisch, weil Verband, Wundauflage und Druckelement in einem Produkt kombiniert sind. Dadurch lässt sich eine starke Blutung schnell und mit vergleichsweise wenig Material versorgen.

Tourniquet – klein, aber für den Ernstfall gedacht

Eine massive Blutung an Arm oder Bein kann innerhalb sehr kurzer Zeit lebensbedrohlich werden. Wenn eine solche Blutung durch direkten Druck beziehungsweise einen Druckverband nicht ausreichend kontrolliert werden kann oder die Situation ein sofortiges Abbinden erforderlich macht, kann ein Tourniquet lebensrettend sein.

Auch die DGUV* beschreibt den Einsatz von Tourniquets als besondere Maßnahme bei schweren Extremitätenverletzungen, wenn eine lebensbedrohliche Blutung durch Druck auf die Wunde oder einen Druckverband nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

Für eine jagdliche Erste Hilfe Ausrüstung halten wir ein hochwertiges Tourniquet deshalb für sinnvoll.

SAM® XT Tourniquet

Das SAM XT ist ein robustes Tourniquet mit Knebelmechanismus und lässt sich kompakt mitführen. Das SAM XT gehört zu den vom US amerikanischen Committee on Tactical Combat Casualty Care, kurz CoTCCC*, empfohlenen Tourniquets.

Es ist eine gute Wahl für eine fest zusammengestellte Erste Hilfe Tasche.

R.A.T.S. Tourniquet Gen 2

Eine besonders kleine Alternative ist das R.A.T.S. Gen 2, Rapid Application Tourniquet System. Durch seine Bauform benötigt es sehr wenig Platz und lässt sich beispielsweise einfach in einer kleinen Bauchtasche unterbringen.

Wichtig ist allerdings der Unterschied: Das R.A.T.S. Gen 2 steht derzeit nicht auf der Empfehlungsliste des CoTCCC*. Systeme wie das SAM®  XT, CAT Gen 7 oder SOFTT-W sind dort dagegen aufgeführt.

Wer möglichst klein und leicht unterwegs sein möchte, findet im R.A.T.S. ein sehr kompaktes System. Wer sich an den Empfehlungen des CoTCCC* orientieren möchte, sollte beispielsweise zum SAM®  XT oder CAT greifen.

Entscheidend ist bei allen Systemen:

Ein Tourniquet sollte nicht zum ersten Mal benutzt werden, wenn vor einem tatsächlich ein Mensch verblutet.

Erste Hilfe Kurs – nicht nur die Grundversorgung kennen

Wer bei der Jagd Tourniquet, Emergency Bandage oder Material zum Wundpacking mitführt, sollte auch wissen, wann und wie diese Mittel eingesetzt werden.

Deshalb empfehlen wir einen Erste Hilfe Kurs, der neben den klassischen Grundlagen auch die Versorgung starker und lebensbedrohlicher Blutungen behandelt. Sinnvoll sind insbesondere Kurse, in denen Tourniquet, Druckverband, Emergency Bandage und Wundpacking praktisch vermittelt werden.

Gerade bei schweren Verletzungen ist es wichtig, Abläufe nicht nur theoretisch zu kennen, sondern sie unter Anleitung einmal selbst durchgeführt zu haben.

Wundpacking

Nicht jede massive Blutung befindet sich an einer Stelle, an der ein Tourniquet angelegt werden kann. Deshalb ist auch komprimierte sterile Gaze eine sinnvolle Ergänzung.

Bei geeigneten Verletzungen kann eine Wunde damit ausgefüllt und anschließend durch starken direkten Druck komprimiert werden. Dieses sogenannte Wundpacking kann eine wichtige Möglichkeit zur Blutstillung sein.

Rettungsdecke

Eine Rettungsdecke wiegt fast nichts und benötigt kaum Platz.

Sie gehört trotzdem zu den wichtigsten Bestandteilen einer kleinen Erste Hilfe Ausrüstung. Verletzte Menschen können schnell auskühlen, besonders wenn sie längere Zeit auf dem Waldboden liegen, nass geworden sind oder viel Blut verloren haben.

Rettungsdecken gehören deshalb auch zur regulären Erste Hilfe Ausstattung nach entsprechenden DIN* Vorgaben.

Verbandsschere

Eine kompakte Verbandsschere ermöglicht es, Kleidung schnell zu öffnen, um eine Verletzung überhaupt beurteilen und versorgen zu können.

Bei schweren Blutungen zählt Zeit. Eine Hose erst umständlich auszuziehen, ist dann nicht unbedingt die beste Lösung.

Licht – im Notfall unverzichtbar

Eine gute Taschenlampe gehört ebenfalls zur persönlichen Erste Hilfe Ausrüstung.

Viele jagdliche Situationen finden in der Dämmerung oder bei Dunkelheit statt. Eine Verletzung lässt sich aber nur vernünftig beurteilen und versorgen, wenn man sie auch sehen kann. Blutungsquelle, Wundtiefe oder Fremdkörper sind im schlechten Licht schnell schwer erkennbar.

Eine zuverlässige Taschenlampe oder Stirnlampe mit ausreichend Leistung sollte deshalb immer griffbereit sein. Besonders praktisch ist eine Stirnlampe, weil beide Hände für die Versorgung frei bleiben.

Wichtig ist außerdem, regelmäßig den Ladezustand oder die Batterien zu prüfen. Eine Lampe, die im entscheidenden Moment leer ist, hilft niemandem.

Zusätzlich sinnvoll

Je nach Größe der Tasche können außerdem eine elastische Binde, zusätzliche sterile Kompressen, ein Dreiecktuch, Zeckenkarte oder Zeckenzange, Wundreinigungstücher, eine kleine Beatmungshilfe und eventuell eine kompakte Schiene wie eine SAM Splint sinnvoll sein.

Wer regelmäßig als Hundeführer unterwegs ist, sollte seine Ausstattung zusätzlich auf Verletzungen des Jagdhundes abstimmen. Auch hierfür gibt es spezielle Erste Hilfe Kurse.

Eine kleine jagdliche Erste Hilfe Tasche könnte beispielsweise enthalten:

  • 2 Paar Nitrilhandschuhe
  • Pflaster in verschiedenen Größen
  • sterile Kompressen
  • 1 bis 2 Verbandpäckchen
  • 1 Israeli Bandage / Emergency Bandage
  • 1 SAM XT Tourniquet, alternativ oder ergänzend ein kompaktes R.A.T.S. Gen 2
  • komprimierte sterile Gaze zum Wundpacking
  • 1 Rettungsdecke
  • 1 Verbandsschere
  • Fixierpflaster
  • elastische Binde
  • Zeckenkarte oder Zeckenzange
  • gute Taschenlampe oder Stirnlampe

Zur persönlichen Notfallausrüstung gehört heute auch das Smartphone.

Im Notfall **112** wählen und den Standort so genau wie möglich übermitteln. Moderne Smartphones bieten dafür hilfreiche Funktionen, die man sich am besten vorher einmal in Ruhe anschaut.

Dazu gehören zum Beispiel hinterlegte **Notfallinformationen**, etwa Name, wichtige medizinische Angaben und Notfallkontakte. Je nach Gerät können diese Informationen auch vom Sperrbildschirm aus für Rettungskräfte erreichbar sein.

Viele aktuelle Smartphones unterstützen außerdem Funktionen, mit denen bei einem Notruf automatisch oder sehr schnell der **aktuelle Standort übermittelt** werden kann. Auch das Teilen der eigenen Position mit anderen Personen ist meist direkt über die Karten oder Notfallfunktionen des Gerätes möglich.

Wer regelmäßig im Revier unterwegs ist, sollte deshalb wissen:

  • wo sich die Notfallinformationen am eigenen Smartphone hinterlegen lassen
  • wie die Notruffunktion des Gerätes ausgelöst wird
  • wie sich der aktuelle Standort beziehungsweise die GPS Position anzeigen und weitergeben lässt
  • ob und wie das Smartphone bei einem Notruf automatisch Standortdaten übermittelt
  • welche Notfallkontakte hinterlegt sind

Diese Funktionen sollte man nicht erst dann suchen, wenn bereits ein Unfall passiert ist.

Gerade im Wald ist außerdem wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie Rettungskräfte tatsächlich zum Unfallort gelangen können. Rettungspunkte, markante Wege, Hochsitze, Forstwege oder bekannte Zufahrten können dabei wertvolle Orientierungspunkte sein.

Ein übermittelter GPS Standort ist sehr hilfreich, ersetzt aber nicht immer eine verständliche Beschreibung des Zugangs zum Unfallort.

Rettungspunkte im Wald

Rettungspunkte sind festgelegte und eindeutig bezeichnete Treffpunkte, an denen sich Rettungskräfte im Notfall orientieren können. Sie liegen häufig an gut erreichbaren Waldwegen, Zufahrten oder Kreuzungen und sind mit einer eindeutigen Kennzeichnung versehen.

Wer regelmäßig im Revier unterwegs ist, sollte wissen, wo sich die nächstgelegenen Rettungspunkte befinden. Im Notfall kann es sinnvoll sein, der Leitstelle nicht nur den eigenen Standort, sondern zusätzlich die Kennzeichnung eines nahegelegenen Rettungspunktes mitzuteilen. Das kann die Anfahrt und die Orientierung für Rettungsdienst, Feuerwehr oder weitere Einsatzkräfte deutlich erleichtern.

Wichtig ist aber: Ein Rettungspunkt ist nicht automatisch der Unfallort. Liegt die verletzte Person tiefer im Wald, sollte möglichst genau beschrieben werden, wie man vom Rettungspunkt oder von der nächsten befahrbaren Zufahrt zum Unfallort gelangt.

Gerade bei Gesellschaftsjagden, Nachsuchen oder Arbeiten in größeren Revieren ist es sinnvoll, Rettungspunkte, Zufahrten und wichtige Wege schon vor Beginn der Jagd zu kennen oder im Jagdteam kurz abzustimmen.

Eine bundesweite Übersicht der forstlichen Rettungspunkte stellt das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) zur Verfügung:

Rettungspunkte im Wald finden – www.rettungspunkte-forst.de

Für Niedersachsen bieten außerdem die Niedersächsischen Landesforsten Informationen zu ihren mehr als 2.000 Notfalltreffpunkten sowie die App „Hilfe im Wald“ an. Die App zeigt unter anderem die eigene Position, umliegende Rettungspunkte, Entfernung und Richtung zum ausgewählten Rettungspunkt und ermöglicht den direkten Notruf über 112.
 

Kaufen allein reicht nicht

Tourniquet, Israeli Bandage und Wundpacking sind wirksame Hilfsmittel. Entscheidend ist aber, dass man weiß, wann und wie sie eingesetzt werden.

Ein Erste Hilfe Kurs sollte deshalb nicht nur die klassischen Themen abdecken. Sinnvoll ist ein Kurs, in dem auch moderne Maßnahmen zur Blutstillung praktisch gelehrt werden. Diese Hilfsmittel sind in vielen Situationen einfacher und effizienter anzuwenden als klassische Mittel, vorausgesetzt, man kennt ihren richtigen Einsatz.

Dazu gehören insbesondere:

  • starke und lebensbedrohliche Blutungen
  • Druckverband
  • Israeli Bandage beziehungsweise Emergency Bandage
  • Tourniquet
  • Wundpacking
  • Versorgung und Wärmeerhalt verletzter Personen
  • Erste Hilfe beim Jagdhund

Als Beispiel bietet die Airborne Medical Group entsprechende Hunter und Bleeding Control Kurse an, bei denen unter anderem die Versorgung kritischer Blutungen, der Umgang mit Tourniquet und Emergency Bandage, Wundpacking sowie Erste Hilfe bei Mensch und Hund praktisch trainiert werden.

Unabhängig vom Anbieter empfehlen wir jedem Jäger, einen Erste Hilfe Kurs zu besuchen, der über die klassische Grundversorgung hinausgeht und auch diese Hilfsmittel und Techniken vermittelt. Idealerweise gehört auch die Versorgung verletzter Jagdhunde dazu.

Ebenso wichtig ist es, das Gelernte regelmäßig aufzufrischen. Ein Kurs, der viele Jahre zurückliegt, ist im Ernstfall nur begrenzt hilfreich, wenn Abläufe, Handgriffe und Entscheidungen nicht mehr sicher sitzen. Deshalb sollten Erste Hilfe Kenntnisse in regelmäßigen Abständen erneuert und praktisch trainiert werden.

Gerade wir als Jäger tragen hier eine besondere Verantwortung. Wir sind häufig in abgelegenen Bereichen unterwegs, arbeiten mit Waffen und Messern, bewegen uns in schwierigem Gelände und sind nicht selten weit von schneller medizinischer Hilfe entfernt. Bei einem schweren Unfall können die ersten Minuten entscheidend sein.

Diese Verantwortung endet nicht beim Menschen. Auch unsere Jagdhunde können durch Schwarzwild, Verkehr, Stürze, Dornen, Schnittverletzungen oder andere Unfälle schwer verletzt werden. Besonders Hundeführer sollten deshalb wissen, wie Blutungen gestillt, Wunden provisorisch versorgt, der Hund ruhiggestellt und sicher zum Tierarzt transportiert werden kann.

Deshalb ist es aus unserer Sicht nicht verantwortungsvoll, das Thema Erste Hilfe nur nebenbei zu behandeln oder sich darauf zu verlassen, dass im Ernstfall schon jemand anderes helfen wird. Wer jagt, sollte sich auch mit der Frage beschäftigen, was zu tun ist, wenn ein Jagdkamerad, ein Hundeführer, der eigene Hund oder man selbst schwer verletzt wird.

Erste Hilfe gehört für uns deshalb genauso zur jagdlichen Verantwortung wie der sichere Umgang mit der Waffe und der verantwortungsvolle Umgang mit unseren Jagdhunden.

Denn im Ernstfall zählt nicht, wie viel Erste Hilfe Material wir gekauft haben.

Entscheidend ist, ob wir wissen, was wir damit tun müssen.


Was bedeuten DGUV, DIN und CoTCCC?

DGUV*
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ist der Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen in Deutschland. Sie veröffentlicht unter anderem Regeln, Informationen und Empfehlungen zur Ersten Hilfe und zur Versorgung schwerer Verletzungen.

DIN*
DIN steht für Deutsches Institut für Normung. DIN Normen legen technische Standards und Anforderungen fest. Im Bereich Erste Hilfe gibt es beispielsweise Normen für die Ausstattung von Verbandkästen. Eine DIN Norm ist dabei nicht automatisch ein Gesetz, wird aber häufig als anerkannter technischer Standard herangezogen.

CoTCCC*
Das Committee on Tactical Combat Casualty Care ist ein US amerikanisches Fachgremium, das evidenzbasierte Empfehlungen für die Versorgung schwerer Verletzungen unter schwierigen Einsatzbedingungen entwickelt. Dazu gehören insbesondere die Behandlung massiver Blutungen und Empfehlungen zu geeigneten Tourniquets und weiteren Hilfsmitteln. Die Empfehlungen stammen ursprünglich aus der militärischen Notfallmedizin, haben aber auch die zivile präklinische Traumaversorgung und sogenannte Bleeding Control Konzepte stark beeinflusst.