Unsere Landwirtschaft unterlag in den vergangenen Jahrzehnten einem stetigen Wandel. Früher prägten eher kleine Felder mit Feldgehölzen und Büschen das Landschaftsbild. Diese boten den Wildtieren einen optimalen Lebensraum mit Rückzugsmöglichkeiten und Deckung. Der fortschreitende technologische Fortschritt macht die Bewirtschaftung der Böden heutzutage effizient. Die zusammenhängenden Ackerflächen wurden größer. Viele Feldgehölze wurden zugunsten von weiterer Anbaufläche gerodet. Die Lebensumstände der Wildtiere haben sich somit grundlegend geändert.
Ebenso wie die Landwirtschaft befindet sich auch die Jagd im stetigen Wandel. Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. ist ein anerkannter Naturschutzverband. Das Niedersächsische Jagdgesetz definiert Jagd und Hege als wesentliche Bestandteile des Wildmanagements. Dieses ist u. a. so durchzuführen, dass
1. die biologische Vielfalt und ein artenreicher und gesunder Wildbestand in angemessener Zahl im Rahmen einer maßvollen und nachhaltigen Wildbewirtschaftung erhalten bleiben,
2. die natürlichen Bedingungen für das Vorkommen der einzelnen Wildarten erhalten bleiben,
3. auch außerhalb des Waldes Deckung und Ruhezonen sowie Äsungsflächen für das Wild geschaffen werden,
4. neben der Vermeidung von Wildschäden und sonstigen Beeinträchtigungen der ordnungsgemäßen Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft auch Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft möglichst vermieden und ökologische Belange berücksichtigt werden.
Jagd ist also in erster Linie eine Nutzung natürlicher Ressourcen, die unter gesetzlichen Regeln stattfindet (Schonzeiten, Abschusspläne, Waffenrecht). Sie fokussiert aber auch auf Biodiversität und den Schutz gefährdeter Arten. In bestimmten Gebieten herrscht für manche Arten eine völlige Jagdruhe (bspw. Rebhuhn, Fasan, Hase). Jagd und Naturschutz hängen enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint und wahrgenommen wird.
Anhand der Beispiele „Wildtiererfassung“, „Prädatorenmanagement“ und „Blühflächen im Landkreis Wolfenbüttel“ möchten wir von der Jägerschaft Wolfenbüttel kurz exemplarisch vorstellen, wie sich die ehrenamtliche Arbeit der Jägerinnen und Jäger im Landkreis Wolfenbüttel in der Praxis darstellt.
Wildtiererfassung
Die Landesjägerschaft Niedersachsen initiierte im Jahr 1991 ein Wildtiermonitoringprogramm zur flächendeckenden Erfassung von Wildtierbeständen. Hieran beteiligt sich auch die Jägerschaft Wolfenbüttel aktiv und kontinuierlich. Somit existieren Daten zum Vorkommen oder der Populationsdichte von fast allen Wildarten im Landkreis.
Die aus der Wildtiererfassung gewonnenen Daten zu den Wildtierbesätzen und deren Lebensraumbedingungen sind die Basis für wissenschaftlich fundierte Aussagen zu Wildvorkommen und Bestandsentwicklungen. Im Zusammenhang mit bestandsbeeinflussenden Umweltfaktoren, wie Witterung, Krankheiten und Lebensraumveränderungen können populationsdynamische Abläufe und ökologische Zusammenhänge für das Ökosystem Kulturlandschaft dargestellt werden.
Daraus werden Empfehlungen für die jagdliche Praxis aber auch für politische Entscheidungen und Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung der Lebensraumbedingungen unserer Wildtiere abgeleitet und umgesetzt.
Prädatorenmanagement
Unter einem Prädator versteht man einen Beutegreifer, also ein Tier, das andere Tiere jagt. Vor langer Zeit war die Natur weitgehend sich selbst überlassen. Das Verhältnis von Prädatoren und Beutetieren regelte sich von selbst. Seitdem jedoch der Mensch durch die nunmehr allgegenwärtige Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft massiv in die Umwelt eingriff, verschlechterten sich die Lebensbedingungen einiger Wildtiere erheblich. Durch die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und Nahrungsangebote sowie neu aufgetretene Krankheiten, reduzierte sich u. a. der Bestand von Feldhasen, Kaninchen, Fasanen und Rebhühnern und anderen bodenbrütenden Vögeln. Gleichzeitig nahm der Druck durch gebietsfremde, sogenannte invasive Arten, wie dem Waschbären, dem Marderhund oder dem Amerikanischen Nerz (Mink) zu. Um die negativen Auswirkungen auf unsere heimischen Wildtierpopulationen zu reduzieren, beteiligen sich die Jägerinnen und Jäger im Landkreis Wolfenbüttel aktiv am Prädatorenmanagement. In vielen Schutzgebieten wird gezielt gejagt, um invasive Arten zu regulieren und um das ökologische Gleichgewicht zu halten. Ein Beispiel dafür ist die strenge Bejagung von Waschbären, die als geschickte Jäger die letzten Bestände von Kreuz- und Wechselkröte im Landkreis Wolfenbüttel bedrohen. Auch der Bestand des einheimischen Fuchses wird durch die Jägerschaft überwacht. Denn eine Überpopulation von Füchsen kann zur Ausbreitung von Krankheiten, wie beispielsweise der Räude führen. Räudemilben befallen nicht nur Wildtiere, sondern auch Hunde, Katzen und ebenfalls Menschen. Das Prädatorenmanagement dient somit, gemeinsam mit biotopverbessernden Maßnahmen der Jägerschaft, wie der Anlage von Blühflächen oder der Renaturierung von Feuchtgebieten, dem Ziel eines artenreichen und gesunden Wildbestands sowie der Erhaltung der Artenvielfalt.
Blühflächen im Landkreis Wolfenbüttel
Die Aufgaben der Jägerschaft enden aber nicht mit Wildtiererfassung und Bejagung. Wie einleitend beschrieben, fordert das Niedersächsische Jagdgesetz u. a., dass auch außerhalb des Waldes Deckung und Ruhezonen sowie Äsungsflächen für das Wild geschaffen werden. Und da Naturschutzgestaltung nicht aus Worten, sondern aus Taten besteht, ist die Jägerschaft Wolfenbüttel bestrebt, in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Region möglichst viele Flächen mit einheimischen ein- bzw. mehrjährigen Blühpflanzenmischungen zu bestellen. Hierdurch werden der Lebensraum und die Nahrungsgrundlage von Insekten, Vögeln, Feldhasen, Rebhühnern, Rehen und vielen weiteren Tierarten verbessert. Aber auch die Landwirte haben hierdurch einen Vorteil. So geben Blühflächen und -streifen dem Boden Zeit zur Regeneration, verbessern das Mikroklima und verhindern den Eintrag von Unkräutern in die Anbauflächen.
Das Projekt „Förderung von Blühflächen im Landkreis“ läuft seit dem Jahr 2018. Die Jägerschaft Wolfenbüttel unterstützt die Landwirte bei der Auswahl und Beschaffung von Blühmischungen. Seit dem Jahr 2019 werden diese Mittel durch die Förderinitiative „Lebensraumverbund Feldflur Niedersachsen“ der Landesjägerschaft Niedersachsen ergänzt. Die Kosten für das Saatgut werden vollständig übernommen. Dank des ehrenamtlichen Einsatzes der Jägerschaft Wolfenbüttel, nehmen Anzahl und Größe der Blühflächen stetig zu. Wurden im Anfangsjahr 2018 im Landkreis Wolfenbüttel 40 Hektar Fläche mit einheimischen Pflanzenmischungen bestellt, erblühen mittlerweile mehr als 100 Hektar Fläche, was ungefähr der Fläche von 150 Fußballfeldern entspricht. Dadurch entsteht ein großflächiges Mosaik an Blühflächen, die als Trittsteinbiotope, den genetischen Austausch der Arten untereinander befördern. Aktuell unterstützt die Curt Mast Jägermeisterstiftung, gemeinsam mit der Loki Schmidt Stiftung dieses Projekt durch die finanzielle Förderung der Beschaffung des Saatgutes.
Im Jahr 2022 hat das Projekt den mit 5.000 € dotierten ersten Platz des Nachhaltigkeitspreises belegt, den der Landkreis Wolfenbüttel gemeinsam mit dem Wolfenbütteler Schaufenster im Rahmen eines Ideenwettbewerbs zum Thema Nachhaltigkeit ausgeschrieben hat.
Zusammengefasst bilden Jagd und Hege somit heutzutage einen ganzheitlichen, komplexen Gestaltungsrahmen zur Steuerung des operativen Naturschutzes.
In der letzten Woche waren viele Aktionen auf dem Gelände der Jägerschaft Wolfenbüttel zu erleben.
Es wurde ein vorher mit der Unteren Naturschutzbehörde Wolfenbüttel festgelegter Bereich zuerst kurz gemäht, danach vom Forstunternehmen Curland aus Erkerode mit Wildgatter eingezäunt.
Es handelt sich um ca. 2000 m² Fläche, für die im letzten Sommer Sträucher und Büsche im Rahmen des Braunschweiger Modells, bestellt wurden. Diese ca. 500 Pflanzen wurden in der letzten Woche geliefert und anschließend auf dieser Fläche gepflanzt. Die Pflanzen werden von der Unteren Naturschutzbehörde bezahlt.
Ursprung dieser Maßnahme war eine Spende der Familie Reuper aus Sickte, die das Geld von der Trauerfeier von Heiko Reuper der Jägerschaft Wolfenbüttel gespendet hat, um so ein Projekt im hiesigen Raum anzustreben.
Der Vorsitzende der Jägerschaft Eckard Weddelmann hat sich dieser Idee angenommen und das Ganze mit Manfred Reuper in die Tat umgesetzt.
Weiterhin wurde ein Findling besorgt und beim Steinmetz Zeising in Uehrde graviert und zum Gedenken vor die Anpflanzung gesetzt.
Mit der Spende der Familie Reuper einer Privaten Spende und einem ordentlichen Zuschuss aus der Jägerschaft Wolfenbüttel wurde das ganze Projekt (ca.9.000,-€) finanziert.
Entstanden ist ein wertvolles Biotop, das zusätzlich noch mit 35 Obstbäumen der verschiedensten Sorten ergänzt wurde und so dem Niederwild sowie vielen Vogelarten einen wertvollen Lebensraum und Deckung bietet.
Hätte man mich früher gefragt, was ich mir spontan unter der Jagd vorstelle, dann hätte ich wahrscheinlich etwas geantwortet wie: Jäger tragen grüne Kleidung und erlegen Wild. Nun, das trifft wohl zu, beschreibt allerdings nur einen Bruchteil der regelmäßigen Tätigkeiten der rund 60.000 Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen.
Einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Jagdverbands zufolge verbringt jede jagende Person über 41 Stunden pro Monat, also durchschnittlich eine Arbeitswoche, in der Natur. Davon entfallen über 25 Stunden auf die Jagd. Knapp 16 Stunden wenden Jägerinnen und Jäger für Arbeiten im Revier auf. Eine wesentliche Aufgabe ist es dabei, die biologische Vielfalt und einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten. Jagd und Naturschutz sind daher fest miteinander verbunden. Die Landesjägerschaft ist ein anerkannter Naturschutzverband. Durchschnittlich investierte im Jahr 2022 jede jagende Person 315 € in Maßnahmen für die Biotop-Pflege und den Artenschutz.
Zur untrennbar mit der Jagd verbundenen Hege gehört unter anderem, auch außerhalb des Waldes Deckung und Ruhezonen sowie Äsungsflächen für das Wild zu schaffen. Wenn Sie bei einem Ausflug ins Grüne Ihren Blick über die Felder schweifen lassen, fallen Ihnen bestimmt des Öfteren Flächen mit bunten Wiesenblumen auf. Solche bepflanzten Flächen sind nicht nur für das Wild wichtig. Gerade in intensiv genutzter Landschaft bieten Wildäcker, Hecken und Gebüsche, Kräuter- und Blütenpflanzen vielen selten gewordenen Reptilien, Vögeln, Schmetterlingen, Hummeln und anderen Insekten neuen Lebensraum.
Seit dem Jahr 2018 stellt die Jägerschaft Wolfenbüttel den Landwirten im Landkreis unentgeltlich Saatgut für die Blühflächen zur Verfügung. Dr. Andreas Müller, Obmann für Naturschutz bei der Jägerschaft Wolfenbüttel, unterstützt die Landwirte seit Jahren bei der Auswahl und Beschaffung der Blühmischungen. Dank der guten Zusammenarbeit mit den Landwirten und seines ehrenamtlichen Einsatzes können wir uns mittlerweile im Landkreis Wolfenbüttel über mehr als 145 Fußballfelder an Blühflächen erfreuen. Auch die Landwirte haben hierdurch einen Vorteil. Die Blühflächen und -streifen geben dem Boden Zeit zur Regeneration und verhindern den Eintrag von Unkräutern in die Anbauflächen.
Ein Nutznießer der Blühstreifen ist unter anderem das Rebhuhn. Dieser etwa taubengroße Vogel ist ein typisches Feldhuhn. Als solches meidet es den Wald und verbringt selbst die Nacht in Deckung am Boden in der Feldflur. Es braucht eine strukturreiche Vegetation, nicht zu große Feldschläge, unkrautreiche Feldraine und Wegränder, Altgrasstreifen, Brachen, niedriges Gebüsch und Hecken. Nachdem sich die Lebensbedingungen für diese Vögel unter anderem aufgrund der Bemühungen der Jägerschaft Wolfenbüttel im Landkreis verbessert haben, wurden in diesem Jahr mehrere dieser Vögel aus einer Feldhuhnstation ausgewildert.
Als Ansprechpartner steht Ihnen der Obmann für Naturschutz der Jägerschaft Wolfenbüttel, Herr Dr. Andreas Müller, gerne unter der Telefonnummer 0172-9954312 zur Verfügung.
In diesem Jahr hat der Landkreis Wolfenbüttel gemeinsam mit dem Wolfenbütteler Schaufenster einen Ideenwettbewerb zum Thema Nachhaltigkeit ausgeschrieben. Den mit 5.000 € dotierten ersten Platz des Nachhaltigkeitspreises belegte die Jägerschaft Wolfenbüttel. Ausgezeichnet wurde sie für ihr Projekt der Förderung von Blühflächen im Landkreis. Den zweiten Platz belegte das Projekt „Viele Schritte zur Nachhaltigkeit“ des Theodor-Heuss-Gymnasiums Wolfenbüttel. Platz drei ging an das private Projekt „Speicherwald Schladen“ von Dr. Klaus Dietrichs.
„Nachhaltigkeit ist ein Gemeinschaftswerk“ betonte die Landrätin Christiana Steinbrügge bei der Preisverleihung. Und um genauso ein Gemeinschaftswerk handelt es sich bei dem ausgezeichneten Projekt der Jägerschaft Wolfenbüttel. Dieses hat zum Ziel, in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Region möglichst viele Flächen mit einheimischen Blühpflanzenmischungen zu bestellen. Hierdurch werden der Lebensraum und die Nahrungsgrundlage von Insekten, Vögeln, Feldhasen, Rebhühnern, Rehen und vielen weiteren Tierarten verbessert. Aber auch die Landwirte haben hierdurch einen Vorteil. So geben Blühflächen und -streifen dem Boden Zeit zur Regeneration und verhindern den Eintrag von Unkräutern in die Anbauflächen.
Seit 2018 unterstützt die Jägerschaft Wolfenbüttel Landwirte bei der Auswahl und Beschaffung von Blühmischungen. Seit 2019 werden diese Mittel durch die Förderinitiative „Lebensraumverbund Feldflur Niedersachsen“ der Landesjägerschaft Niedersachsen ergänzt. Die Kosten für das Saatgut werden vollständig übernommen. Dank des ehrenamtlichen Einsatzes von Dr. Andreas Müller, Obmann für Naturschutz bei der Jägerschaft Wolfenbüttel, nehmen Anzahl und Größe der Blühflächen stetig zu. Wurden im Anfangsjahr 2018 im Landkreis Wolfenbüttel 40 Hektar Fläche mit einheimischen Pflanzenmischungen bestellt, erblühen mittlerweile 105 Hektar Fläche. Umgerechnet entspricht dies mehr als 145 Bundesliga-Fußballfeldern.
Zum Abschluss der Preisverleihung stellte Bernd Becker, erster Vorsitzender der Jägerschaft Wolfenbüttel, klar: „Wir wollen weitermachen mit diesem Projekt. Naturschutzgestaltung besteht nicht aus Worten, sondern aus Taten.“
Wolfenbüttel 100 Hektar normalerweise landwirtschaftlich genutzte Fläche wollen Landwirte im Kreis Wolfenbüttel in diesem Jahr aus der Nutzung nehmen, um sie für Blühflächen zur Verfügung zu stellen. 100 Hektar, das sind umgerechnet 1.000.000.000 Quadratmeter oder– um sich eine bessere Vorstellung davon zu machen –etwas mehr als 140 Bundesliga-Fußballfelder. Auf jedenFall ist das: „Rekord“, sagt Andreas Müller, Obmann für Naturschutz der Jägerschaft Wolfenbüttel.
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