Im letzten Jahr übernahm der Hegering Edewecht erstmals die Idee der Reviere Ohrwege und Dänikhorst von einer revierübergreifenden Baujagd und organisierte diese in größerem Rahmen. Nun kam es am vergangenen Wochenende zu einer Neuauflage dieses Formats. Im Zuge dessen wurden an zwei Tagen zahlreiche Kunst- und Naturbauten in den Revieren Jeddeloh I, Jeddeloh II, Portsloge, Kleefeld, Osterscheps, Heinfelde, Dänikhorst, Ohrwege, Fintlandsmoor und Friedrichsfehn/Klein Scharrel bejagt.
Der Einsatz unter Tage wurde von fünf Deutschen Jagdterriern und einem Teckel angeführt. Als deren verlängerter Arm hatten sich die Hundeführer Lars Sieger, Jürgen Fritsch, Henrik Detlefsen, Daniel Bernett (alle DJT) und Dieter Greive (Teckel) zur Verfügung gestellt.
Das Streckenergebnis kann sich sehen lassen: ein Dachs, fünf Füchse und sieben Nutrias. Hiermit wurde das Vorjahres-Ergebnis deutlich übertroffen. Und das, obwohl beispielsweise Reviere wie Fintlandsmoor und Jeddeloh in diesem Jagdjahr bereits jeweils über 30 Füchse mit Kugel und Falle erlegt haben. Selbst in diesen Revieren wurde auch noch im Rahmen der Baujagd Strecke gemacht.
Dabei wäre streckenmäßig sogar noch mehr drin gewesen: Denn das Revier Osterscheps hatte die Zeichen der jagdpolitischen Zeit offensichtlich frühzeitig erkannt und im letzten Jahr drei neue Kunstbauten angelegt. Dies wurde insofern belohnt, als dass hier gleich zwei Füchse gesprengt werden konnten, von denen allerdings nur einer zur Strecke kam. Gerüchten zufolge sollen einige Teilnehmer zu diesem Zeitpunkt ihre Hand schon nicht mehr am Abzug, sondern gedanklich (!) bereits an der Bierflasche auf der für den Nachmittag geplanten Kohlfahrt gehabt haben. Anderen Stimmen zufolge sei man nach gewissenhafter Ansprache dieses Fuchses zu dem Schluss gekommen, dass dessen Balg noch nicht reif genug war, sodass sein Entkommen als Ergebnis einer nachhaltigen Bejagungsstrategie verstanden werden muss.
Die Nutrias kamen in Jeddeloh II zur Strecke, wo diese immer wieder gerne die Kunstbauten nahe der Vehne annehmen und diese mitunter auch verstopfen, was es für den Hund nicht einfacher macht, sie zu sprengen.
In Wittenberge gelang das Kunststück, einen mehr als 15 kg schweren Dachs in Rekordzeit zu sprengen. Dadurch, dass der Dachs anders als der Fuchs vergleichsweise langsam den Bau verlässt, war der Hund ihm wiederholt dicht auf den Fersen, was den Schützen einerseits Besonnenheit und andererseits Entschlossenheit abverlangte. Schließlich gilt es, die Situation sicher zu erfassen, indem der Hund im toten Winkel des Gewehranschlags berücksichtigt wird. Gleichzeitig muss der Schütze den passenden Moment suchen, um Auseinandersetzungen zwischen Dachs und Hund zu vermeiden. In Wittenberge war dies eindrucksvoll der Fall, sodass auch hier alle Beteiligten mit dem Jagderfolg im Rücken pünktlich eine für den Nachmittag geplante Kohlfahrt antreten konnten.
Die übrigen rund 25 Teilnehmer trafen sich am Samstag Abend um 18:00 Uhr zum gemeinsamen Streckelegen mit anschließendem Schüsseltreiben. Zu diesem Zweck musste man kurzfristig umdisponieren. Denn ursprünglich sollte der Abend seinen Ausklang im "Wildererschlupf" von Lars Sieger in seinem 4.000 qm großen Eigenjagdbezirk finden. In Anbetracht kurzfristiger Nachmeldungen wurden dessen Sitzplatz-Kapazitäten allerdings gesprengt, sodass man auf das Jagdzimmer "Diana" von Anke Fockenberg ausweichen musste, welches an diesem Abend zugleich seine Einweihung erfuhr. Zu diesem Zweck hatten es Anke Fockenberg und unser Hegering-Allrounder Lothar - "Kugel" - Fugel in aller Eile noch fertiggestellt.
Nach dem Verblasen der Strecke, dem Essen aus dem Dutch oven inklusive hausgemachtem Nachtisch nach Kirchhellener Art wurde der Tag schließlich von offizieller Seite zusammengefasst. Hierbei wurde festgestellt, dass trotz vielfachen Raubzeugkontakts kein Hund zu Schaden gekommen ist. Zur Sprache kam hierbei u.a. auch die Gastfreundschaft der einzelnen Reviere und das disziplinierte Verhalten aller Teilnehmer, was alle Hundeführer unisono bestätigten. Im Vorfeld hatte sich das Raubwild-Kommitee des Hegerings auch Gedanken zu einem möglichen Giveaway für die Teilnehmer gemacht. Was lag näher, als einem passionierten Baujäger einen Spaten zu schenken. Dabei ist Spaten nicht gleich Spaten. So war Jahrzehnte lang der sog. "Fuchsschreck" das Maß aller Schanzwerkzeuge. Mit seinem schmalen Blatt ist er für den schnellen und schmalen Einschlag am Naturbau konzipiert. Dass die Novellierung des Jagdrechts nach dem Wunsch der grünen Landwirtschaftsministerin Einschränkungen der Baujagd vorsehen soll und gleichzeitig das Jagdrecht auf Großraubwild in Form des Wolfes ausgeweitet werden soll, bringt dies auch andere Anforderungen an das Schanzzeug mit sich. Ging es bei der Raubwildbejagung viele Jahre vorrangig um das Ausgraben, geht es heute vielfach um das Eingraben. Darauf hat sich inzwischen auch die Spatenindustrie eingestellt und den sog. "Raubwildbagger" auf den Markt gebracht, der sich durch ein breites Blatt für den großräumigen Aushub auszeichnet. Die teilnehmenden Reviere konnten zwischen diesen beiden Modellen wählen, sodass Nostalgiker und Pioniere gleichermaßen auf ihre Kosten kamen.
Kosten blieben dem Hegering bei deren Anschaffung dankenswerter Weise erspart. Zwar gehört das Tiefbaugeschäft nicht zur Kernkompentenz der AVB Absperr- und Verkehrstechnik Bremen GmbH, aber getreu ihrem Leitsatz "Ob für Baustellen, Veranstaltungen oder den dauerhaften Einsatz: Wir sorgen dafür, dass alles reibungslos umgesetzt wird." unterstützte sie die Beschaffung besagter Spaten mit über 500,- EUR und trug so ihren Anteil zu einer gelungenen Veranstaltung bei.
Der Abend nahm auch dadurch einen launigen Verlauf, weil Uwe Behrens als erster das Wort ergriff und der Jagdgesellschaft seine persönlichen Eindrücke von der diesjährigen Baujagd schilderte. Dadurch sahen sich im Laufe des Abends auch weitere Vertreter der einzelnen Reviere in gewissen Zeitabständen dazu veranlasst, ihre persönlichen Erlebnisse mit allen zu teilen und so jedem immer wieder die Gelegenheit zu geben, seinen Durst nicht alleine stillen zu müssen.
Irgendwann zur Wolfsstunde schliefte dann auch der letzte Baujäger in seinen heimischen Bau ein.