Sie befinden sich hier: Startseite / Über uns / Aktuelles / News-Artikel

Rote Karte für blaue Wildwarnreflektoren?

Vor nunmehr drei Jahren wurde im Landkreis Rotenburg (Wümme) die Initiative zur Reduzierung der Wildunfälle, damals unter dem Motto „3Beine – 1Ziel“, ins Leben gerufen. Das Ziel wird seither unverändert weiter verfolgt, auch wenn sich der Schwerpunkt der Initiative inzwischen weg von der Sensibilisierung der Fahrzeugführer mittels signalfarbener Dreibeine, hin zur Abschreckung des Wildes mittels Wildwarnreflektoren, verschoben hat. So wurden durch die Initiative, die unter der Schirmherrschaft von Landrat Luttmann steht und der neben dem Landkreis Rotenburg (Wümme), den drei Jägerschaften im Landkreis, der Polizeiinspektion Rotenburg (Wümme), auch die Verkehrswachten Bremervörde-Zeven und Rotenburg (Wümme) angehören, seit Initiativstart bisher mehrere Zehntausend Euro in die Anbringung von Wildwarnreflektoren investiert, davon allein schon ca. 15.000,- Euro für ca. 3.000 Stück der blauen Variante.

Die Entscheidung zu diesem Schwerpunktwechsel wurde bereits im Oktober des letzten Jahres in der Unfallkommission des Landkreises getroffen, in der neben Vertretern der Straßenbaubehörden und des Straßenverkehrsamtes auch die Teilnehmer dieser Initiative vertreten sind. Die Empfehlung der Kommission lautete damals: „…die Zahl der installierten Reflektoren ist weiter zu erhöhen. Das soll vordringlich auf den Strecken erfolgen, die (…) als besonders unfallträchtig erkannt wurden. Da die Anschaffung der Reflektoren eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt, kann eine flächendeckende Ausstattung der Straßen nicht erfolgen. Es soll deshalb versucht werden, gemeinsam mit Kooperationspartnern die Anzahl der blauen Reflektoren im Landkreis weiter zu erhöhen“. Auf diese Empfehlung hin sollten mit finanzieller Unterstützung durch Landkreis und Verkehrswacht in Kürze zusätzliche 3.000 ? blaue Reflektoren an Unfallschwerpunkten im Landkreis installiert werden.

Völlig überraschend kam es im April 2012 zur Änderung des Nutzungsvertrages für die Jägerschaften Bremervörde und Zeven, durch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Stade (rGB Stade). Inhalt der Vertragsänderung ist ein Verbot von blauen Retroreflektoren oder retroreflektierenden Folien auf Wildwarnreflektoren und die Forderung nach Austausch der bereits installierten durch geeignete Reflektoren (z. B. Reflektor-Scheiben aus Spiegelfacetten, die das Licht nur in den Wald lenken).

Begründet wird die Vertragsänderung durch die rGB Stade mit dem Hinweis, dass die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) auf ihrer Homepage unter der Rubrik "Fragen & Antworten" zur Verwendung von Wildwarnreflektoren wie folgt Stellung nimmt: "Die BASt steht der generellen Verwendung von Wildwarnreflektoren skeptisch gegenüber. Nach unserer Erfahrung gewöhnt sich das Wild mit der Zeit an Warneinrichtungen jeglicher Art, so dass sich nach kurzer Zeit wieder das alte Unfallgeschehen einstellt. Andererseits sprechen wir uns aber auch nicht gegen den Einsatz von Wildwarnreflektoren aus, da es in Einzelfällen durchaus möglich sein mag, dass diese einen Beitrag zur Verringerung von Wildunfällen liefern. Die Verwendung von Retroreflektoren oder retroreflektierenden Folien auf Wildwarnreflektoren kann aus technischer Sicht an dieser Stelle nicht funktionieren, da diese Reflektoren Licht in Richtung der Lichtquelle (hier: in Richtung des Fahrzeugs) zurückstrahlen. Der Anteil des in Richtung des Wildes reflektierten Lichts ist dabei minimal. Das Verhalten des Wildes wird dadurch nicht beeinflusst, lediglich der Autofahrer selbst würde durch den Wildwarnreflektor gestört und irritiert werden, was nicht Sinn und Zweck eines Wildwarnreflektors sein darf“.

Die blauen Reflektoren gelten seit ein paar Jahren als wirksames Mittel zur Reduzierung von Wildunfällen. Blau gilt bei Wildtieren, ganz im Gegensatz zu Rot und Orange, das lediglich als Grünabstufung wahrgenommen wird, als regelrechte Schreckfarbe, da sie in der freien Wildbahn praktisch nicht vorkommt. Wildtiere empfinden Blau daher als fremd und potenziell gefährlich. Ein Gutachten des Lichttechnischen Instituts der Uni Karlsruhe aus dem Juli 2009 steht im krassen Widerspruch zur Auffassung der BASt, denn es kommt zu dem Ergebnis, dass von diesen Reflektoren keine störende Wirkung auf den Verkehrsteilnehmer ausgeht. Das Bayerische Innenministerium erlaubte nach einem Modellversuch in Oberfranken, im November 2010, den Einsatz von blauen Reflektoren.

Auch der Landesbetrieb Mobilität (LBM), Rheinland Pfalz, kommt im Oktober 2011 zu dem Ergebnis: „Anfängliche kritische Einschätzungen um die Verwendung der v.g. blauen Halbkreisreflektoren aufgrund der verwendeten Reflexfolie (Folie Typ 3) und evtl. hieraus resultierender Blendwirkung für die Verkehrsteilnehmer haben sich nicht bestätigt. Entsprechende Rückschlüsse stützen wir auf die von den v.g. Herstellern vorgelegten lichttechnischen Gutachten, eigene Erfahrungen im Rahmen von Pilot-Projekten bei einzelnen regionalen LBM und hilfsweise auch auf Erfahrungen zahlreicher anderer Bundesländer, die inzwischen ebenfalls farbige Wildwarnreflektoren mit v.g. Folien-Typ zulassen“.

Verkehrsgefährdung oder Behördenirrtum? In jedem Falle mutiert der Widerruf der Genehmigungen inzwischen zum Politikum. Angeregt durch die in ihren Engagement für Wildunfallvermeidung gebremsten Jägerschaften, hat sich neben dem CDU-Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke auch der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, an Verkehrsminister Jörg Bode gewandt hat und um Überprüfung, bzw. Zurückstellung des Wiederrufs gebeten. Er verweist dabei auf die vorliegenden lichttechnischen Gutachten und einen derzeit in Schleswig-Holstein laufenden Großversuch unter Beteiligung von ADAC, Deutschem Jagdschutzverband und Landesjagdverband Schleswig-Holstein, bei dem die verschiedensten Methoden zur Wildunfallvermeidung – unter anderem auch die blauen Wildwarnreflektoren - wissenschaftlich untersucht werden.

 

Jagdhornbläser Visselhövede richten Hubertusgottesdienst 2023 aus

05.11.2023, 18Uhr St.Johannis-Kirche

Auch in diesem Jahr findet seitens der Jägerschaft Rotenburg e.V. der Hubertusgottesdienst statt. Die Jagdhornbläsergruppe Visselhövede lädt am Sonntag, den 05.11.2023 um 18 Uhr zum Hubertusgottesdienst in der St. Johannis-Kirche in Visselhövede ein.
Bereits ab 17.45 Uhr werden Gäste mit Musik und Fackelschein empfangen. In festlichem Ambiente steht der Dank Gottes für die Schöpfung im Mittelpunkt.
Vorbei kommen lohnt sich!