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Neun Hochsitze in Werlte und Lorup zerstört - Waren militante Tierschützer aktiv?

Auf mehreren Hochsitzen wurde der Schriftzug "Fuck Hunters" (Scheiß Jäger) gesprüht. Foto: Heiner Hackstedt/Hegering Werlte, Revier 3

Werlte/Lorup. Gleich neun Hochsitze sind in der Nacht zu Sonntag in Werlte und Lorup durch Unbekannte zerstört worden. Farbschmierereien auf den Bauwerken deuten darauf hin, dass militante Tierschützer am Werk waren.

Die fünf im Bereich der Stadt Werlte betroffenen Hochsitze standen alle im Waldgebiet oder am Waldrand entlang der Loruper Straße, die Werlte mit Lorup verbindet. "Die Hochsitze sind etwa 800 Meter voneinander entfernt, also fußläufig erreichbar", berichtet Heiner Hackstedt, Pächter des betroffenen Jagdreviers Werlte 3, auf Anfrage. Die Polizei habe Fußspuren sichern können, Reifenspuren allerdings nicht. Der Jäger geht davon aus, dass die Täter das Fahrzeug, mit dem sie gekommen seien, irgendwo in der Nähe der Loruper Straße angestellt hatten.

Sicher sei, so der 68-Jährige, dass die Täter Werkzeug dabei gehabt haben müssen und aller Voraussicht nach die Hochsitze im Vorfeld ausspioniert hatten. Denn die Unbekannten setzten nicht nur Sägen ein, sondern zum Teil auch Spezialwerkzeug, mit dem sie dicke Spezialschrauben lösten. Mehrere betroffene Hochsitze hatten einen Sockel aus Metall oder wurden durch stabile Metallstreben zusammen gehalten. 

Vier Hochsitze in Lorup betroffen

In der Gemeinde Lorup wurden in der gleichen Nacht vier Hochsitze zerstört, sie befanden sich östlich und westlich der Breddenberger Straße ebenfalls nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt, wie Hegeringsleiter Gerhard Rieken bestätigte. Auch hier wurde Werkzeug wie Sägen und Schraubenschlüssel eingesetzt. Die Täter müssen also längere Zeit vor Ort gewesen sein.

Farbschmierereien deuten auf militante Tierschützer hin

Auf allen neun Hochsitzen hinterließen die Unbekannten Farbschmierereien, augenscheinlich auch mit der gleichen weißen Sprühfarbe. Zu erkennen sind die Buchstaben ALF, was für Animal Liberation Front steht. ALF ist eine in den 1960er Jahren in Großbritannien gegründete, aber inzwischen vornehmlich in den USA  tätige Tierrechtsorganisation. Auf ihrer Internetseite rühmt sich die Organisation mehrfach mit der Zerstörung von "Schießtürmen", wie ALF die Hochsitze nennt, in Deutschland, aber auch in Polen oder Frankreich. Von Lorup oder Werlte ist dort bisher jedoch nichts zu lesen. Mehrmals wurde der Schriftzug "Fuck Hunters" (Scheiß Jäger) oder "Fuck Speciesism", ein Spruch aus der militanten Veganer-Szene, auf die zerstörten Hochsitze gesprüht.

Unter Jägern geht die Angst um, dass die Unbekannten weitere Hochsitze beschädigt haben könnten und es zu Verletzungen kommt. Deshalb ruft beispielsweise der Hegering Lorup die Mitglieder auf, die Hochsitze vor dem Betreten auf Schäden zu überprüfen, zum Beispiel an den Treppen oder den Sockeln der Türme. "Um erhöhte Aufmerksamkeit wird daher gebeten. Sollte jemand etwas verdächtiges im Revier feststellen, zum Beispiel fremde Personen, Gruppen oder Fahrzeuge, bitte Beweise sichern und bei Verdacht unmittelbar die Polizei benachrichtigen", heißt es in einem Facebook-Post des Hegering Lorup.

Polizei trifft drei verdächtige Personen an

Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim bestätigte am Montagnachmittag, dass die Jäger Anzeigen aufgegeben haben. In einer Mitteilung ist von "einer Vielzahl von Hochsitzen" die Rede. Der Sachschaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag. 

Nach einem Hinweis haben Polizeibeamte aus Sögel und Papenburg in einem der betroffenen Waldgebiete drei verdächtige Personen mit einem Geländewagen aus Westerstede angetroffen. Bei ihnen wurden Werkzeuge gefunden, die für die Taten genutzt worden sein könnten. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Hinweise werden unter 05952/93450 entgegengenommen.

Jäger setzen Belohnung aus

Die Kreisjägerschaft Aschendorf/Hümmling hat eine Belohnung in Höhe von 300 Euro ausgelobt für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen oder die Polizei dabei unterstützen, Verdächtige zu überführen. Das teilte Thomas Schomaker, Pressesprecher der Kreisjägerschaft, auf Anfrage mit. Schomaker bittet um Weitergabe entsprechender Hinweise an die Polizei. Von Daniel Gonzalez-Tepper